
Blick auf den Tempelberg in Jerusalem (Foto: Georg Stühlinger)
Georg Stühlinger:
Zwei Wochen lang auf den Spuren der Bibel unterwegs sein –
eine spannende Reise in eine kleine Welt voll großer
Gegensätze! Einige Erinnerungen in Schlagwortform:
- Israel ist Heimat von vier
Weltreligionen: Judentum, Christentum, Islam und Bahai; gleichzeitig
eng mit der Geschichte des „Abendlandes“
verknüpfter historischer Boden!
- Wandern genau in den Gegenden, in denen
Jesus gelebt, gepredigt, Wunder vollbracht hat, Besuch der
Stätten, an denen er gekreuzigt wurde und von den Toten
auferstanden ist – ein eigenartiges Gefühl
– von einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern als
„Ankommen“ beschrieben!
- Dankbarkeit für innere Einkehr
durch das Geschenk von Gottesdiensten, die die Seele aufleben
ließen;
- Uralte Kulturen treffen auf die moderne
Welt – insbesondere leider auch in militärischer
Hinsicht;
- Der Islam präsentiert sich
oft offensiv als die „einzige alle Zeiten überlebende
Religion“; er vermag auch ungeahnte Massen (250.000 auf dem
Tempelberg in Jerusalem) zum letzten Freitagsgebet im Fastenmonat
Ramadan zu mobilisieren; Die
religiöse Begeisterung wird sehr lautstark individuell zum
Ausdruck gebracht;
Weggottesdienst am See Genesareth (Foto: Michael
Hartinger)
- Leider: Obwohl insgesamt in der absoluten
Minderheit, schafft das ohnehin schon in Konfessionen zersplitterte
Christentum kein gemeinsames Auftreten im Geist der Ökumene;
- Die orthodoxen Juden – eine
für uns seltsam anmutende „Welt für
sich“;
- Unsere Gruppe: Es ist eine Freude, liebe
Menschen näher kennenlernen zu dürfen!
- Ja, und die Klagemauer – so
eine Einrichtung könnten wir (beim Heimkommen frisch
eingetaucht in die aktuelle Kirchendiskussion) auch gut brauchen!
In Summe eine interessante Bildungsreise,
wunderbar ergänzt durch religiöse Impulse der
Sonderklasse! Danke!

Olivenbaum im Gethsemane (Foto: Georg Stühlinger)
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Michael Hartinger:
„Fünf Evangelien schildern das Leben Jesu:
vier findest Du in Büchern – eines in der
Landschaft.
Liest Du das Fünfte, eröffnet sich Dir die Welt der
vier.“
Diese Erfahrung, die in diesem bekannten Zitat über das
Heilige Land angesprochen wird, konnten wohl alle
TeilnehmerInnen der Pilgerreise heuer erleben. Eine Gruppe von 24
Personen, bunt gemischt, die meisten aus der Pfarre Weiz,
haben im August für fast zwei Wochen Israel besucht.
Mit Worten ist es fast unmöglich die großen
Eindrücke so einer Reise zu schildern, aber hier will ich
dennoch den Versuch wagen:
Zu dieser Jahreszeit ist es sehr heiß dort (etwa 36-40 Grad)
und die Landschaft wirkt sehr karg, Felder und Plantagen werden
bewässert. Das Grün der Kulturflächen steht
in einem bizarren Gegensatz zur sonst öden, gelblich
ausgetrockneten Landschaft, die mit vielen Steinen
übersät ist.
„Hier also hat Jesus gelebt. - Dort ist er sicher
vorbeigekommen. - Auf diesem Hügel hat er wohl
gepredigt!“- Solche Gedanken gingen mir sofort durch den
Kopf, als wir am See Genezareth ankamen. Untergebracht in einem sehr
schönen Pilgerhaus, inmitten von Blumen, Wiesen, Palmen habe
ich mich wie in einer Oase gefühlt. Die erste Woche haben wir
in dieser sehr stillen und ruhig gelegen Landschaft am See verbracht,
wo Jesus zwischen Kafarnaum und Magdala am meisten gewirkt hat. Man
kann dort zu Fuß - sprichwörtlich auf den Spuren
Jesu – die Plätze besuchen, wo jeder auf seine
persönliche Art den Stellen aus den Evangelien
begegnen kann: Brotvermehrungskirche, Seligpreisungskirche,
die Synagoge in Kafarnaum, oder das Haus des Petrus, in dem Jesus
gewohnt hat. Jeden Morgen haben wir mit dem Lesen einer
Bibelstelle begonnen, dann hat uns unser Reiseleiter Fery Berger mit
einer Impulsfrage in den Tag entlassen. Neben den gemeinsamen Besuchen
der heiligen Stätten war Zeit zum Erholen, Nachdenken oder zur
Andacht. Abends fanden wir uns zu einem Gespräch, wo
Erfahrungen und persönliche Eindrücke ausgetauscht
werden konnten. Grundsätzlich durfte sich jeder frei
fühlen, die Angebote mitzumachen oder seinem ganz
persönlichen Bedarf nachzukommen.

Sonnenaufgang am See Genesareth (Foto: Micheal Hartinger)
Mich hat überrascht, wie bald die
Gruppe eine starke Vertrautheit und Offenheit untereinander entwickelt
hat. Die Gespräche – so wie sie sich
während des Tages ergeben - haben alle als besonders
bereichernd erfahren.
Besonders beeindruckend fand ich die Sonnenaufgänge, eine
Sonntagsmesse im Meditationsraum des Pilgerhauses und einen
Weggottesdienst zur Brotvermehrungskirche wo wir Brot, Fisch und Wein
geteilt haben. Eine Bereicherung für die Gruppe
waren auch Günther Zgubic und das Ehepaar Ulrike und
Heinz Stroh, beide evangelische Pastoren, die sich oft eingebracht
haben. Sie waren es, die oft Gebet und Gesang angestimmt haben, und in
manchen Kirchen hat die Akustik ihre besondere Wirkung dazugetan. Heinz
hat uns auch viel Interessantes über die Eigenheiten der
hebräischen Schrift erklärt. So haben wir gelebte
Ökumene in der Gruppe wohltuend wahrgenommen.
Dermaßen spirituell eingestimmt, haben wir dann am 5. Tag mit
Busreisen begonnen, unter der Leitung eines israelischen
Reiseführers, der uns alle begeistert hat. Auf
kurzen Tages- und Halbtagesausflügen hat er mit uns auf
spannende Weise, sehr kompetent und souverän die
Orte Nazareth, Kana, den Berg Tabor, die Golanhöhen
(mit Weinverkostung natürlich) und die Jordanquellen besucht.
Von Jerusalem aus, wo wir in der zweiten Woche untergebracht waren,
haben wir mit unserem Reiseführer die archäologischen
Ausgrabungen bei Qumran (älteste Schriftfunde des AT) und die
Festung Masada besucht. Dabei sind wir bis zum Toten Meer gekommen, ein
„Aufschwimmen“ in diesem eigenartigen See
– 400m unter dem Meeresspiegel – ist ein besonders
lustiges Erlebnis.

Juden beten bei der Klagemauer (Foto: Georg
Stühlinger)
Ein Besuch in Bethlehem im Westjordanland ließ einmal mehr
von den sozialen und politischen Spannungen zwischen
Palästinensern und Juden ahnen. Den „Clash der
Kulturen“ erlebt man aber hautnahe in der Altstadt von
Jerusalem. Ich beende nun mein Erzählen, denn mit Worten kann
ich nicht beschreiben, was man dort vor Ort erlebt: die
Gebete an der Klagemauer, das Gedränge und Leben im Basar der
engen Gassen, die Menschenmassen, die zum Gebet in die Moschee am
Tempelberg drängen, der Jahrmarkt - ein Kirchtag zum Quadrat -
zur Zeit des Fastenmonats Ramadan, vor dem Altstadttor der
Lärm des Straßenverkehrs, in dem grünes und
rotes Ampellicht keine Bedeutung mehr haben, und die
Frömmigkeit so vieler Pilger aus drei großen
Religionen.
Dieses Glaubenszeugnis so vieler Menschen beeindruckt und
verstört mich gleichzeitig - angesichts der
Spannungen zwischen den drei monotheistischen Traditionen, die alle
ihren gemeinsamen Ursprung bei Abraham sehen. Ich wünsche dort
Friede - „Schalom“ -
für die Menschen in Jerusalem, für ganz Israel,
für die ganze Welt.
Der Besuch der vielen Orte, damit verbunden die Beschäftigung
mit Jesus und das sich Einlassen auf sein Wirken und seine Botschaft
für mein eigenes Leben, verändern irgendwie, machen
mich auch offener für andere. Ich hoffe diese
Eindrücke wirken auch nach der Rückkehr weiter. Ich
habe mir jedenfalls vorgenommen, dem Alltag für
meinen Glaubensweg und mein spirituelles Leben mehr Raum zu geben.

Gruppe vor Bahai-Zentrum (Foto: Georg Stühlinger)
Lichtbildvortrag: Auf den
Spuren Jesu. Israelreise 2011
Georg Stühlinger und
Michael Hartinger
25. Oktober, 19.30
Pfarrzentrum am Weizberg
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