Solidarität, Spirtualität
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AUF DEN SPUREN JESU IM HEILIGEN LAND
ISRAELREISE 2011
Georg Stühlinger und Michael Hartinger

 


Blick auf den Tempelberg in Jerusalem (Georg Stühlinger)
Blick auf den Tempelberg in Jerusalem (Foto: Georg Stühlinger)

 

Georg Stühlinger:

Zwei Wochen lang auf den Spuren der Bibel unterwegs sein – eine spannende Reise in eine kleine Welt voll großer Gegensätze! Einige Erinnerungen in Schlagwortform:
  1. Israel ist Heimat von vier Weltreligionen: Judentum, Christentum, Islam und Bahai; gleichzeitig eng mit der Geschichte des „Abendlandes“ verknüpfter historischer Boden!
  2. Wandern genau in den Gegenden, in denen Jesus gelebt, gepredigt, Wunder vollbracht hat, Besuch der Stätten, an denen er gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist – ein eigenartiges Gefühl – von einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern als „Ankommen“ beschrieben!
  3. Dankbarkeit für innere Einkehr durch das Geschenk von Gottesdiensten, die die Seele aufleben ließen;
  4. Uralte Kulturen treffen auf die moderne Welt – insbesondere leider auch in militärischer Hinsicht;
  5. Der Islam präsentiert sich oft offensiv als die „einzige alle Zeiten überlebende Religion“; er vermag auch ungeahnte Massen (250.000 auf dem Tempelberg in Jerusalem) zum letzten Freitagsgebet im Fastenmonat Ramadan zu mobilisieren; Die religiöse Begeisterung wird sehr lautstark individuell zum Ausdruck gebracht;     
  6. Weggottesdienst am See Genesareth (Georg Stühlinger)

    Weggottesdienst am See Genesareth (Foto: Michael Hartinger)

  7. Leider: Obwohl insgesamt in der absoluten Minderheit, schafft das ohnehin schon in Konfessionen zersplitterte Christentum kein gemeinsames Auftreten im Geist der Ökumene;
  8. Die orthodoxen Juden – eine für uns seltsam anmutende „Welt für sich“;
  9. Unsere Gruppe: Es ist eine Freude, liebe Menschen näher kennenlernen zu dürfen!
  10. Ja, und die Klagemauer – so eine Einrichtung könnten wir (beim Heimkommen frisch eingetaucht in die aktuelle Kirchendiskussion) auch gut brauchen!

In Summe eine interessante Bildungsreise, wunderbar ergänzt durch religiöse Impulse der Sonderklasse! Danke!

Olivenbaum Gethsemane
Olivenbaum im Gethsemane (Foto: Georg Stühlinger)
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Michael Hartinger:
 „Fünf Evangelien schildern das Leben Jesu: vier findest Du in Büchern – eines in der Landschaft.
Liest Du das Fünfte, eröffnet sich Dir die Welt der vier.“ 
Diese Erfahrung, die in diesem bekannten Zitat über das Heilige Land angesprochen wird,  konnten wohl alle TeilnehmerInnen der Pilgerreise heuer erleben. Eine Gruppe von 24 Personen, bunt gemischt, die meisten aus der Pfarre Weiz, haben  im August für fast zwei Wochen Israel besucht. Mit Worten ist es fast unmöglich die großen Eindrücke so einer Reise zu schildern, aber hier will ich dennoch den Versuch wagen:
Zu dieser Jahreszeit ist es sehr heiß dort (etwa 36-40 Grad) und die Landschaft wirkt sehr karg, Felder und Plantagen werden bewässert. Das Grün der Kulturflächen steht in einem bizarren Gegensatz zur sonst öden, gelblich ausgetrockneten Landschaft, die mit vielen Steinen übersät ist.
„Hier also hat Jesus gelebt. -  Dort ist er sicher vorbeigekommen.  - Auf diesem Hügel hat er wohl gepredigt!“- Solche Gedanken gingen mir sofort durch den Kopf, als wir am See Genezareth ankamen. Untergebracht in einem sehr schönen Pilgerhaus, inmitten von Blumen, Wiesen, Palmen habe ich mich wie in einer Oase gefühlt. Die erste Woche haben wir in dieser sehr stillen und ruhig gelegen Landschaft am See verbracht, wo Jesus zwischen Kafarnaum und Magdala am meisten gewirkt hat. Man kann dort zu Fuß - sprichwörtlich auf den Spuren Jesu – die Plätze besuchen, wo jeder auf seine persönliche Art den Stellen aus den Evangelien  begegnen kann: Brotvermehrungskirche,  Seligpreisungskirche, die Synagoge in Kafarnaum, oder das Haus des Petrus, in dem Jesus gewohnt hat.  Jeden Morgen haben wir mit dem Lesen einer Bibelstelle begonnen, dann hat uns unser Reiseleiter Fery Berger mit einer Impulsfrage in den Tag entlassen. Neben den gemeinsamen Besuchen der heiligen Stätten war Zeit zum Erholen, Nachdenken oder zur Andacht.  Abends fanden wir uns zu einem Gespräch, wo Erfahrungen und persönliche Eindrücke ausgetauscht werden konnten. Grundsätzlich durfte sich jeder frei fühlen, die Angebote mitzumachen oder seinem ganz persönlichen Bedarf nachzukommen.

Sonnenaufgang am See Genesareth

Sonnenaufgang am See Genesareth (Foto: Micheal Hartinger)

Mich hat überrascht, wie bald die Gruppe eine starke Vertrautheit und Offenheit untereinander entwickelt hat. Die Gespräche  – so wie sie sich während des Tages  ergeben - haben alle als besonders bereichernd erfahren.
Besonders beeindruckend fand ich die Sonnenaufgänge, eine Sonntagsmesse im Meditationsraum des Pilgerhauses und einen Weggottesdienst zur Brotvermehrungskirche wo wir Brot, Fisch und Wein geteilt haben. Eine  Bereicherung für die Gruppe waren auch  Günther Zgubic und das Ehepaar Ulrike und Heinz Stroh, beide evangelische Pastoren, die sich oft eingebracht haben. Sie waren es, die oft Gebet und Gesang angestimmt haben, und in manchen Kirchen hat die Akustik ihre besondere Wirkung dazugetan. Heinz hat uns auch viel Interessantes über die Eigenheiten der hebräischen Schrift erklärt. So haben wir gelebte Ökumene in der Gruppe wohltuend wahrgenommen.
Dermaßen spirituell eingestimmt, haben wir dann am 5. Tag mit Busreisen begonnen, unter der Leitung eines israelischen Reiseführers, der uns alle begeistert hat.  Auf kurzen Tages- und Halbtagesausflügen hat er mit uns auf spannende Weise, sehr kompetent und souverän die Orte  Nazareth, Kana, den Berg Tabor, die Golanhöhen (mit Weinverkostung natürlich) und die Jordanquellen besucht.
Von Jerusalem aus, wo wir in der zweiten Woche untergebracht waren, haben wir mit unserem Reiseführer die archäologischen Ausgrabungen bei Qumran (älteste Schriftfunde des AT) und die Festung Masada besucht. Dabei sind wir bis zum Toten Meer gekommen, ein „Aufschwimmen“ in diesem eigenartigen See – 400m unter dem Meeresspiegel – ist ein besonders lustiges Erlebnis.

Juden beten bei Klagemauer

Juden beten bei der Klagemauer (Foto: Georg Stühlinger)

Ein Besuch in Bethlehem im Westjordanland ließ einmal mehr von den sozialen und politischen Spannungen zwischen Palästinensern und Juden ahnen. Den „Clash der Kulturen“ erlebt man aber hautnahe in der Altstadt von Jerusalem. Ich beende nun mein Erzählen, denn mit Worten kann ich nicht beschreiben, was man dort vor Ort erlebt:  die Gebete an der Klagemauer, das Gedränge und Leben im Basar der engen Gassen, die Menschenmassen, die zum Gebet in die Moschee am Tempelberg drängen, der Jahrmarkt - ein Kirchtag zum Quadrat - zur Zeit des Fastenmonats Ramadan, vor dem Altstadttor der Lärm des Straßenverkehrs, in dem grünes und rotes Ampellicht keine Bedeutung mehr haben, und die Frömmigkeit so vieler Pilger aus drei großen Religionen.
Dieses Glaubenszeugnis so vieler Menschen beeindruckt und verstört mich gleichzeitig  - angesichts der Spannungen zwischen den drei monotheistischen Traditionen, die alle ihren gemeinsamen Ursprung bei Abraham sehen. Ich wünsche dort Friede -  „Schalom“  - für die Menschen in Jerusalem, für ganz Israel, für die ganze Welt.
Der Besuch der vielen Orte, damit verbunden die Beschäftigung mit Jesus und das sich Einlassen auf sein Wirken und seine Botschaft für mein eigenes Leben, verändern irgendwie, machen mich auch offener für andere. Ich hoffe diese Eindrücke wirken auch nach der Rückkehr weiter. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen,  dem Alltag für meinen Glaubensweg und mein spirituelles Leben mehr Raum zu geben.

Gruppe vor Bahai

Gruppe vor Bahai-Zentrum (Foto: Georg Stühlinger)

 

Lichtbildvortrag: Auf den Spuren Jesu. Israelreise 2011
Georg Stühlinger und Michael Hartinger
25. Oktober, 19.30
Pfarrzentrum am Weizberg




 
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