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1. Pfingsten
Pfingsten ist die Erfahrung des belebenden Geistes Gottes. Als
Zuwendung Gottes ist Pfingsten ein Geschenk, das letztlich weder plan-
noch organisierbar ist. Es ist ein Erwachen, ein Herausbrechen von
innen. Pfingsten kann sowohl als die gestaltende Kraft Gottes gesehen
werden, die durch Menschen nach außen sichtbar wird, als auch
als der persönlich-spirituelle Prozess des Hineinwachsens in
ein Leben im Geist Gottes. Pfingsten bezeichnet in der christlichen
Tradition den „50. Tag“ nach Ostern. Es ist die
Vollendung von Ostern: Etwas völlig Neues beginnt. In diesem
Sinn ist Pfingsten der Anfang eines neuen Menschen und damit auch der
Anfang einer neuen Menschheit.
2. „Neues
Pfingsten“
Der Begriff eines „neuen Pfingsten“ stammt von
Papst Johannes XXIII. Er verband damit die Hoffnung, dass mit dem 2.
Vatikanischen Konzil ein „Neues Pfingsten“ beginne.
Kardinal Dr. Franz König sagte bei einer Pfingstpredigt in
Weiz: „Ich erwarte mir von eurem Weizer Treffen ein Neues
Pfingsten.“ Die Hoffnung lebt. Sie lebt in jedem von uns.
Wenn wir täglich Raum schaffen für den Heiligen
Geist, werden wir offen sein und uns vertrauend auf Neues einlassen
können. Das Pfingstwunder bestand darin, dass Menschen
verschiedenster Nationen und Sprachen die Apostel jeweils in ihrer
eigenen Sprache verstehen konnten und so Zugang zu Gott fanden. Wir
suchen nach dieser „Neuen Sprache“, dass uns
Menschen von heute auch wirklich verstehen können. Nur wenn
Innen und Außen übereinstimmen, wird unser Sprechen
glaubwürdig. Die Vielfalt der verschiedenen Sprachen kann dann
zum Segen werden.
3. Pfingstvision und
Spiritualität
In einer Zeit der harten Zahlen, Bilanzen und gleichzeitig so
zerbrechlich gewordenen Biografien glauben wir an die Erfahrung des je
größeren Geheimnisses Gottes. Mit dem Theologen Karl
Rahner glauben wir, dass der „Christ der Zukunft ein Mystiker
sein wird, einer der etwas erfahren hat, oder er wird nicht
sein“. Wir sehen die Zukunft der Kirche in spirituellen
Menschen, die aus Glaubenserfahrungen heraus sich entscheiden, bewusst
als Christen zu leben.
4. Pfingstvision und
Solidarität
Hinter der Pfingstvision steht das Prinzip der Einheit von
Spiritualität und Solidarität. „Was ihr
für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das
habt ihr mir getan“ (Mt 25, 40). Unser Leitspruch
heißt deshalb: „Je spiritueller, desto
solidarischer.“ Im biblischen Sinn verstehen wir uns als
Licht und Salz der Welt, das heißt, wir möchten
Lebensqualität für alle Menschen schaffen und
bewahren und gegen Missstände auftreten.
5. Pfingstvision und
Kirche
Die Pfingstvision ist ökumenisch geprägt. Wir
versuchen in Weiz das Leben der katholischen Pfarre und der
evangelischen Gemeinde zu bereichern. Wir sehen die Struktur der Pfarre
und Gemeinde als wichtige Basis unseres Wirkens. In der Pfarre Weiz
ging von uns die Initiative eines Pfarrkonzils aus. Wir sehen unser
Wirken aber nicht nur auf Weiz beschränkt. Den Geist der
Pfingstvision tragen Menschen weit über Weiz hinaus. Im
innerkirchlichen Reformprozess sehen wir uns als „offensive
Mitte“. Wir bringen uns mehr durch unser Engagement als durch
Wortmeldungen ein.
6. Pfingstvision und
Jugend
Der Anfang unseres gemeinsamen Weges war stark von Jugendlichen
geprägt. Auch jetzt gehen in der Pfingstvision viele Ideen und
Initiativen von der Begeisterung junger Menschen aus.
7. Pfingstvision und
Kunst
Wir achten zeitgenössische Kunst als einen
ungeschützten aber deshalb um so wahrhaftigeren Ort der
kreativen Wahrnehmung unserer Welt und unserer Zeit. Die Begegnung mit
Kunst ist Teil unseres Ringens um eine neue Sprache. Kunst schafft
verdichtete, nicht alltägliche Räume, um Menschen zu
sich selbst und zu anderen finden zu lassen. Damit ist Kunst der
Spiritualität verwandt.
8. Pfingstvision und
Führungskräfte
Führungskräfte sind in ihren Wirkungsbereichen
wichtige Multiplikatoren und Brennpunkte zukunftsrelevanter
Möglichkeiten. In der Pfingstvision geht es uns auch um eine
gesellschaftliche Erneuerung. Deshalb sind
Führungskräfte für uns wichtige
Dialogpartner. Vernetzte Ideen von
Führungskräften
können einen großen, neugestaltenden Charakter
bekommen. Darauf baut unsere Initiative eines Pfingstsymposions
für Führungskräfte.
9. Pfingstvision und
persönliches Engagement
Die Pfingstvision setzt auf die Freiheit und die Verantwortung des
einzelnen Menschen. Zuerst geht es darum, sein Christsein im jeweiligen
gesellschaftlichen Umfeld zu leben. Spiritualität
muß sich zuerst im Alltag zeigen. Jeder Mensch gestaltet die
Pfingstvision mit seinen eigenen, besonderen Charismen mit. In der
Pfingstvision geht es nicht primär darum, etwas zu
organisieren; wichtiger als das Tun ist uns das Sein.
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