|
|
 |
Historische Zeittafel
Taborkirche
|
|
Die heute Taborkirche genannte Kirche beim Hauptplatz
von Weiz in der Steiermark ist dem Heiligen Thomas von Canterbury geweiht.
Am 11. Mai 1188 übergab Luitold III. von Gutenberg dem Stift Göß die Rechte und Besitzungen in Weiz.
Vor 40 ritterlichen Zeugen stellte er in der Taborkirche die entsprechende Urkunde aus,
in der sowohl die Kirche als auch Weiz das erste Mal erwähnt werden. Um 1360 wurde die romanische
Kapelle durch den Anbau des gotischen Altarraums erweitert und 1365
ein der Heiligen Katharina gewidmeter Altar durch Bischof Udarich III.
von Seckau geweiht. Bedeutende Reste der Freskenausstattung (2.
Hälfte des 13.Jh. bis 2. Hälfte des 15.Jh.) mit
Ergänzungen durch Prof. Fritz Silberbauer (1933-1935) sind noch
heute an der Nordwand erhalten. So auch im Chorquadrat die "Biblia
pauperum" (13.Jh.) mit der bildlichen Beschreibung der
Schöpfungsgeschichte. Um 1550 umschloss man die St. Thomaskirche
mit Rundtürmen zu einem Tabor. Die Grundherren auf Schloss Gutenberg waren Anhänger der neuen
christlichen Lehre und das Kirchengebäude wurde als evangelische Kirche genutzt. Im Zuge der
Gegenreformation fiel es im Jahr 1600 wieder der katholischen Glaubensgemeinschaft zu. 1644
wurde die Kirche umgestaltet, die Fenster südseitig
vergrößert, die ursprünglich flache Decke des
Langhauses eingewölbt und der Turm über dem Chorquadrat
erhielt sein heutiges Aussehen. 1675 erhielt
die Kirche neue Bänke und möglicherweise einen neuen,
barocken Hochaltar. Mit dem Ende der Türkengefahr wurde, zwischen 1687 und 1689, der östlich gelegene Teil der Tabormauern und Türme abgebrochen. An deren Stelle errichtete man ein Wohnhaus,
das bis 1870 auch als Bürgerliche Marktschule genutzt wurde. 1697 stiftete Probst Ernst von Pöllau
die Kanzel. (Bei Renovierungen im 20.Jh. wurde sie angehoben und der Aufgang demontiert).
1747 wurde eine Orgelempore eingezogen und die Außenstiege angebaut. 1769 richtete der Grazer
Orgelbauer Ferdinand Schwarz eine kleine, einmanualige Orgel ein. Der barocke Hochaltar, aus dem
Jahre 1771, kann der Werkstätte von Veit Königer zugeschrieben werden. Das Altarbild stammt von
Joseph Adam Ritter von Mölk. Beide arbeiteten zur gleichen Zeit auch in der nahe gelegenen
Weizbergkirche. 2004, mit der Neugestaltung des Altarraums, erhielt der Sakralbau im Chorquadrat
einen modernen, zart gestalteten Volksaltar aus schwarzem Granit und Glas. In eine verglasten
Steinwanne, unter dem Altartisch,
hat der Künstler Walter Kratner Asche von Rosensträuchern und verkohlte Dornen gestreut.
|
| |
Wallfahrtskirche am Weizberg
|
 |
Die Weizbergkirche liegt auf einer Anhöhe im Osten der Stadt Weiz.
Der Hochaltar ist der "Schmerzhaften Muttergottes" geweiht. Bereits 1047 erwähnt
die Chronik ein Gotteshaus am Weizberg. Es handelte sich dabei um eine dreischiffige
romanische Basilika mit einem zweigeschossigen Ostturm. Sie wurde Mitte des 14.
Jh. durch den Zubau eines Chores erweitert. Da es unter dem Dach nur Luken als
Fenster gab, war es in der Kirche sehr dunkel, worüber vermutlich oft geklagt wurde.
Verschiedene Versuche, durch Umbauten die Lichtverhältnisse in der Kirche auf dem
"Himmelsberg" zu verbessern, scheiterten und so entschloss sich der Dechant und
Erzpriester Doktor Franz Leopold Riedlegger (1726 - 1755), eine neue Kirche errichten zu lassen.
Er verstarb aber vor Baubeginn. Daher wird heute sein Nachfolger Doktor Paul Hieronymus Schmutz
als Bauherr der neuen Kirche geführt. 1757 feierte man die
Grundsteinlegung. Den Rohbau errichtete der Baumeister Joseph Hueber in
knapp zwei Jahren. Am 8. Dezember 1758 brachte man das Gnadenbild
(eine Pietà des Meisters von Neustift aus dem ersten Viertel des 15. Jh.) in die
neue Kirche und feierte den ersten Gottesdienst. Für die Innengestaltung des einschiffigen,
spätbarocken Baues fehlte zunächst das Geld. Erst 1769 konnten der Bildhauer Veit Königer
und Joseph Adam Ritter von Mölk, die beide auch in der Taborkirche beschäftigt waren, mit
den Arbeiten beginnen. 221 Tage benötigte der aus Tirol stammende Hofmaler Joseph Adam Ritter
von Mölk mit seinen Mitarbeitern 1771 für die Fertigstellung der Fresken. Thema der großen
Deckengemälde sind die fünf Marienfeste des Kirchenjahres. Der Hochaltar, dessen Mittelpunkt
die schon vorher erwähnte Pietà bildet, ist eine Schöpfung des Bildhauers Veit Königer.
Die 1775 fertig gestellte Kanzel stammt vom Bildhauer Jakob Peyer. Von ihm sind auch die
beiden Seitenaltäre, die der Heiligen Anna und dem Heiligen Josef geweiht sind. Die großen
Altarbilder stammen von Ritter von Mölk und seinen Gehilfen. Am 22. Juli 1776 konsekrierte
Bischof Joseph Philipp Graf Spaur von Seckau die Kirche. 1792 beschädigte ein Brand das
Kirchendach und das der 44 Meter hohen Türme. 1998 wurde die Emanuelkapelle neu konzipiert
und mit Bildern von Hannes Schwarz ausgestaltet. 2001, mit der Neugestaltung des Altarraumes
von Hubert Schmalix und Hermann Eisenköck, erfuhr der Sakralraum eine Neuakzentuierung durch
einen "neobarocken" Teppich mit Weintraubenmotiv. Von 2000 bis 2005
erfolgte eine vollständige Innen- und Außenrenovierung der Wallfahrtskirche.
|
|
|
Applikation für Pietà -
Wallfahrtskirche am Weizberg
|
|
Kleid, Schuhe, Sockel (Holz-Drapage, in Gold gefasst)
"… Als wir, der Pfarrer und ich,
die Samttücher suchen wollten - es gibt sie - haben wir in den großen Vorratskästen der
Paramente, die der Pfarrer alle seit 1854 erstmals restaurieren hat lassen, noch etwas
gefunden, das uns buchstäblich in Schrecken versetzt hat: Ein Beinkleid für die Maria.
Einen Schurz, den man wahrscheinlich
zu Festtagszwecken, vor ihre Knie geschoben hat. Ich liebe die barocke Bildertäuschung."
Zitat aus:
Johannes Rauchenberger, "Weizbergs Samt"
|
|
|
|
|